31.03.2026, 16:27
Von: Judith von Sternburg
Die Wiederentdeckung von Jacqueline Harpmans außergewöhnlichem Roman “Ich, die ich Männer nicht kannte”.
Roman und Handlung entziehen sich der Einordnung und der Vergleiche. Darum geht es auch: völlig alleine für sich zu stehen als Buch und als Mensch (Romanfigur). Das klingt einfacher als es ist, obwohl es hier faktisch durchgezogen wird. Die gängige Wendung “Völlig alleine für sich zu stehen” wird dabei auf eine spektakuläre Ebene gehoben.
Was ist hier überhaupt los, was ist passiert?
Klett-Cotta schnappte schließlich zu, wobei sich zeigt, dass es schon 1998 eine deutsche Übersetzung gab. “Die Frau, die die Männer nicht kannte” blieb damals bei Hoffmann und Campe ohne langfristige Resonanz, obwohl der Verlag am Ball blieb und im Jahr 2000 Harpmans “Orlanda” nachlegte. Es gibt also noch einiges zu entdecken und wiederzuentdecken, eine englische “Orlanda”-Welle rollt bereits.
In der frischen, den Text in ein heutiges, also erneut unaufdringlich zeitloses Deutsch transportierenden Übersetzung von Luca Homburg wurde der Titel leicht verändert. “Ich, die ich Männer nicht kannte” ist noch näher am Original, ist auch buchstäblich unbestimmter und klingt weniger nach einer turbulenten Komödie.
Jacqueline Harpman: Ich, die ich Männer nicht kannte. Roman. A. d. Französ. v. Luca Homburg. Klett-Cotta, Stuttgart 2026. 224 S., 24 Euro.
“Ich, die ich Männer nicht kannte” liest man am besten voraussetzungslos, wie gesagt. Am besten ist man eine Weile alleine mit diesem Buch, es wird dann die größte Wirkung entfalten.
Wer hier weiterliest, wird im Roman aber noch genug zu entdecken haben. Harpman hat viele Einfälle, denkt in viele Richtungen. Sie entwickelt in einem ungeheuerlichen Szenario eine Plausibilität im Detail. Dass sie als Psychoanalytikerin tätig war, verschaffte ihr vielleicht einen Vorsprung in der Vorstellungskraft, wie Menschen, hier: Frauen, in einer extremen Situation reagieren.







