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Siri Hustvedt and Lukas Rietzschel top bestseller lists: On Believing in the Good in Literature

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An Siri Hustvedt kam in den letzten Wochen niemand vorbei, im Grunde seit der Berlinale, als sie anlässlich der Premiere von Sabine Lidls Porträtfilm „Dance Around The Self“ nach Berlin kam und erste Interviews gab.

Es folgten die Hustvedt-Festwochen: die Veröffentlichung ihres Buches „Ghost Stories“, in dem sie der Trauer über den Tod ihres Mannes Paul Auster Ausdruck gibt und ihrer beider Geschichte erzählt; weitere Interviews dazu, Porträts in allen möglichen Medien, eine Lesetour mit Auftritten unter anderem in Potsdam und Berlin, und seit Gründonnerstag läuft „Dance Around The Self“ auch in vielen Kinos.

Es gibt auch einen Hustvedt-Porträtfilm

Das Resultat kann sich sehen lassen, und da dürfte sich insbesondere auch der Rowohlt Verlag in Hamburg freuen, der Hustvedts Trauerbuch veröffentlicht hat: „Ghost Stories“ steht seit drei Wochen ganz oben in den Bestsellerlisten, diese Woche auf Platz eins der „Spiegel“-Charts.

Die geballte Aufmerksamkeit und die mediale Offenheit von Hustvedt machten es möglich, und da stehen dann auch Klugheit und Literarizität einem Erfolg nicht im Weg. Selbst Bestseller dürfen also anspruchsvoll sein und eine gewisse intellektuelle Herausforderung darstellen, ein beruhigendes, gutes Zeichen.

DDR-, Ukrainekrieg-, und Wenderroman

Dasselbe gilt für den Roman, der diese Woche in der „Spiegel“-Liste hinter den „Ghost Stories“ auf Platz zwei rangiert: Lukas Rietzschels „Sanditz“. Mag bei Hustvedt die Mischung aus ihrer Aura, dem Tod Austers und dem begleitenden Porträtfilm die Resonanz verstärkt haben, so ist es bei Rietzschel nicht zuletzt die DDR, dieser immer noch so rätselhafte Staat, die seinem Roman einen zusätzlichen Schub verschafft hat.

Der 1994 im ostsächsischen Räckelwitz geborene Schriftsteller erzählt in „Sanditz“ die Geschichten einer Familie und ein paar anderer Menschen aus eben jenem fiktiven, in Sachsen gelegenen Sanditz über einen Zeitraum von 1981 bis ins Jahr 2021/2022, also von der DDR über die Wendezeit bis in die ostdeutsche Gegenwart.

Dabei lässt Rietzschel kein Thema aus, das die Menschen seitdem bewegt hat, keine Umwälzungen, die seinen fiktiven Ort schon zu DDR-Zeiten betrafen, nicht die Nachwende-Unruhen, und eine seiner Figuren zieht dann noch in den Ukrainekrieg-, und das ist alles gleichermaßen intelligent wie unterhaltsam erzählt.

„Sanditz“ ist das literarische Pendant zu einer guten Serie, wozu die sehr vielen Perspektivwechsel des Romans natürlich beitragen. Tatsächlich ein Wurf, eins der literarischen Highlights dieses Frühjahrs.

Es ist Ostern, Wünsch-dir-was-Zeit. Vielleicht muss diese Bestsellerliste von all denen, die lieber Literatur als Romantasy und anderen Schmock lesen, trotzdem gar nicht ausgeschnitten werden (so wie Fußballfans das gern am ersten oder zweiten Spieltag machen, wenn Vereine wie Heidenheim oder Mainz 05 mal die Tabelle anführen). Denn es erscheint möglich, dass sich „Ghost Stories“ und „Sanditz“ länger ganz oben in den Charts halten. Der Glaube an das Gute ist unerschütterlich.